„Ich hab`zu viel Geld!“ – Hilfeschrei eines Gutverdieners

„Wo darf ich als Gutverdienender Antikapitalist  leben?“ Unter dieser Überschrift hat ein gewisser Donald Baggins * sich diese Woche an eine Berliner Mailingliste gewandt. Seinen Text finde ich so schön, dass ich ihn hier teile:

Hallo liebe Liste,

ich stehe vor einer ethisch fragwürdigen Entscheidung und wollte mal ein
paar Meinungen dazu einholen.

Ich bin kein Kapitalist, sondern eine Art Facharbeiter. Ich habe keine
Personalverantwortung, sondern werde ganz normal ausgebeutet. Die
Bedingungen sind aber vergleichsweise gut – ich verdiene bei 30
Wochenstunden ca. 100.000 ? im Jahr vor Steuern und habe eine
intellektuell befriedigende Arbeit mit großen Gestaltungsräumen.

Durch eine Änderung der Arbeitsbedingungen darf ich endlich nur noch
übers Internet arbeiten. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um von
meiner etwas drögen Stadt nach Berlin zu ziehen.

Als antikapitalistischer Aktivist sehe ich in Berlin mehr Möglichkeiten,
mich nützlich zu machen. Ich möchte daher in den lebendigen und
zumindest noch in Teilen proletarischen Vierteln leben, z. B. in
Nord-Neukölln.

Freund_innen und Genoss_innen kritisieren meine Pläne, da ich der
prototypische Gentrifizierer sei, was sicher nicht ganz falsch ist.

Mein Dilemma ist, dass ich mich der antikapitalistischen Szene zugehörig
fühle und die Vorstellung gruselig finde, mit bornierten Grünen und
schnöseligen Yuppies im Nobelghetto zu leben. Ich gehöre nicht dazu, nur
weil ich mehr Geld verdiene.

Einerseits:
Ich würde gerne unter meinesgleichen leben, könnte aber höhere Mieten
als die meisten von ihnen zahlen. Ich würde also anderen, die auch dort
gerne leben würden, einen bezahlbaren Platz streitig machen. Wenn ich
aber mehr Miete als im Kiez üblich zahle, erhöhe ich das Mietniveau.

Andererseits:
Ich möchte gerne so leben, wie ich es für richtig halte und suche die
Nähe von Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle. Und ich billige
mir das gleiche Recht zu, meinen Aufenthaltsort selbstbestimmt
auszusuchen, wie ich es jedem anderen Menschen auf der Welt zubillige.

Was meint ihr? Darf ich in die beliebten Szenestadtteile ziehen? Oder
sollte ich es aus ethischen Gründen bleiben lassen? Welche Gründe wären das?

Ich bitte darum, platte Gründe oder Vorschläge wie diese wegzulassen:

– Berlin den Berlinern
– Schmeiß deinen Job
– Verschenk dein Geld (mach ich ja zum Teil. Aber auch ich habe Angst
vor Altersarmut. Ich habe keine nennenswerten Ersparnisse oder
Besitztümer und sichere erst mal mein Alter ab)

Bin gespannt!

Don

* Pseudonym

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5 Antworten zu „Ich hab`zu viel Geld!“ – Hilfeschrei eines Gutverdieners

  1. Wütend&Traurig schreibt:

    Ach wie süß, ein (Möchtegernanti)Kapitalist biedert sich der Unterschicht an. *würg*

  2. OHA schreibt:

    Warum lebst du nicht einfach dein Leben? Lass das Geld ungezählt liegen und freu dich, dass es da ist. Du musst damit weder Gutes noch Schlechtes tun. Es ist nur Geld…
    Rede nicht davon. Das birgt nie Gutes. Egal wie gut du es meinst.
    Und wenn dir die Bedingungen zu irreal sind, um zwischen Normalverdienern weilen zu können, dann leg dir ein Konto an, auf das du dir dein „Normalgehalt“ überweist, von welchem du lebst. Den Rest lässt du einfach vor sich hindödeln, sparst es oder was auch immer…
    Und schon kannst du wieder unter deines Gleichen leben…
    Tz. Mach dir doch nicht son Kopf. Man lebt nur einmal!

    Alternativ dazu könntest du einfach weniger arbeiten und würdest somit auch weniger verdienen;)

  3. Michael Meier schreibt:

    Mensch dann spende mir ein Teil vom Geld.Wir kommen Grad so über die runden.
    Denke aber da wird sich der Kapitalist nicht drauf ein lassen obwohl er dadurch seinem Ziel näher
    Kommen würde.Gruss Michael

  4. mach es schreibt:

    Inhalt von Schlotte Kamuffel gelöscht.

  5. Patty schreibt:

    Don,

    Als 15 jährige war ich Hafenstraßen Fan in HH. Ich habe immer den Kiez in HH als meine Heimat empfunden und wäre ich nicht auf der anderen Seiten der Welt mit ebenso Deinen Problem von „zuviel“ Geld, so würde ich niemals in diesen noblen Viertel ziehen wollen. Es geht aus meiner Sicht dort nur ums Geld und nicht um die Idealistische Welt.

    Ich hoffe Du bist in den richtigen Stadtteil gezogen? Der ist dort für den Dein Herz schlägt.

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