Alle gegen Alice – ich bin dabei!

Die sogenannte Feministin Alice Schwarzer wird derzeit massiv kritisiert, weil sie Steuern hinterzogen hat (dabei gäbe es viel wichtigere Kritikgründe…). Acht EMMA-Redakteurinnen haben jetzt einen Heulchor gegründet und sich geschlossen hinter das angebliche Opfer gestellt. Meine zwei Cents dazu:

Eins ist klar: Alice Schwarzer sieht sich selbst als Opfer. Sie konnte doch gar nicht anders, als ihr Geld in die Schweiz zu bringen. Die Gründe dafür hat sie kürzlich in ihrem Blog überzeugend dargestellt:

1. Irgendwo muss man ja hin mit dem Geld, vor allem, wenn man zu viel davon hat. „Es war einfach da“, schreibt die Schwarzer. (Ich beneide sie um diesen Satz. Ich will auch mal so etwas schreiben können, das muss toll sein!)

2. Alice Schwarzer wurde in Deutschland verfolgt. So schlimm war das, dass sie fast schon emigrieren musste: „Ein Wort noch zu meinen Gründen für dieses Konto: Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen.“

Soweit, so Schwarzer. Dass die Frau in ihrer eigenen Welt lebt, ist bekannt. Eine Welt, in der nur ihre Meinung zählt. Wer was anderes sagt oder schreibt oder auch nur Belege für krude Thesen einfordert (zum Beispiel aktuell in der Prostitutionsdebatte) ist in Schwarzers Augen anti-feministisch und unterdrückt ihre freie Meinungsäußerung als Autorin. Politische Verfolgung sozusagen, alle gegen Alice.

Interessant ist aber nun zu beobachten, dass die Gute offenbar gar nicht so allein ist in ihrer verschrobenen Welt: Acht wackere EMMA-Redakteurinnen haben einen Text geschrieben, in dem sie sich hinter ihre Chefradakteurin stellen. „Wir wollten eigentlich nichts zu der Berichterstattung über Alice Schwarzer sagen“, schreiben die Journalistinnen, „Die aber hat ein Ausmaß an Diffamation erreicht, dass wir es jetzt doch tun.“

Worum geht`s? Um die Steuergeschichte? Nein, es geht plötzlich um ominöse ehemalige EMMA-Mitarbeiterinnen, „anonyme Informantinnen aus den 80ern“, die angeblich bis heute nichts besseres zu tun haben, als die arme Frau Schwarzer fertig zu machen. Mal davon abgesehen dass redaktionsinterne Querelen und die Steuergeschichte zwei paar Schuhe sind – die Behauptung ist unwahr.

Die WDR-Moderatorin Lisa Ortgies, die nach zwei Probemonaten als Chefradakteurin der EMMA frustriert wieder gegangen ist (wurde), kann man doch nicht ernsthaft als „anonyme Informantin“ bezeichnen. Sie habe „keinen konzeptionellen Vorschlag und keines der Themen, für die ich angetreten bin, verwirklichen können“, hat Ortgies 2008 gesagt. Ganz öffentlich war das, es stand in allen Medien, und garantiert hat Lisa Ortgies ihr Statement autorisiert und sich nichts in den Mund legen lassen. (Die Frau hält jede Woche bei FrauTV im WDR ihr Gesicht in die Kamera, ein ganz alter Hase im Mediengeschäft ist sie, die weiß also, was sie tut, wenn sie sich in der Presse zitieren lässt.)

Aber die EMMA-Frauen beharren auf diesem „anonyme Informantinnen“-Quatsch und faseln von einer „gezielten Demontage einer unbequemen Person“. (Übrigens: Versuchen die Journalistinnen nicht gerade, durch diffuse Äußerungen Lisa Ortgies zu diskreditieren, wenn sie von einem „bisweilen erstaunlichen Verhalten der potenziellen Nachfolgerinnen, über das wir selbstverständlich diskret geschwiegen haben“ berichten? Was ist daran fair? Die Ortgies hat wenigstens gesagt, was ihr nicht gepasst hat.)

Liebe EMMA-Redakteurinnen! Habt ihr es nicht kleiner? Merkt ihr nicht, dass ihr maßlos übertreibt, mit eurer These von der „Schwarzer-Vernichtungswelle, die in ihrem diffamatorischen Umgang mit einer öffentlichen Person in Deutschland ihresgleichen sucht.“?

Ich will gewiss nichts verharmlosen. Feministinnen wurden und werden angegriffen, bedroht und lächerlich gemacht. Das passiert immer wieder, jeden Tag, und es ist schrecklich! (Zweifel? Dann empfehle ich mal einen Blick auf hatr.org, wo solche Vorfälle gesammelt werden.)

Aber darum geht es doch gar nicht, wenn Alice Schwarzers Steueraffäre thematisiert wird. Und es ist auch nicht diffamierend, wenn Menschen ihre unbelegten Thesen zum Thema Prostitution kritisieren. Oder ihre Mitarbeit bei der Bild-Zeitung. Oder ihr seltsames Geschäftsgebahren in ihrem FrauenMediaTurm in Köln, dem jetzt wohl hoffentlich endlich alle öffentlichen Mittel entzogen werden. All das ist keine antifeministische Diffamierung oder politische Verfolgung.

Es ist, was es ist. Kritik an Alice Schwarzer. An einer öffentlichen Person, die offenbar viel Geld hat und darüber hinaus auch noch viele Kanäle, um ihre Positionen zu verbreiten. Alice Schwarzer hat Macht und Einfluss, sie ist nicht das Opfer, zu dem die EMMA-Redakteurinnen sie stilisieren wollen.

Ich finde es schade, dass Feminismus und Schwarzer-/EMMA-Positionen in Deutschland immer noch gleich gesetzt werden. Schade, dass immer nur sie in den Talkshows sitzt, dass andere gar nicht erst angehört werden.

„Wir sollten uns nicht spalten lassen“, habe ich neulich gehört, als ich mit einigen deutlich älteren Feministinnen beim Bier über Schwarzer diskutiert habe. Doch, wir sollten uns spalten lassen. Ich finde Alice Schwarzers Allmachtsansprüche in Sachen Feminismus richtig schlimm. Und ich hab Lust zu surfen – auf der „Anti-Alice-Welle“…

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3 Antworten zu Alle gegen Alice – ich bin dabei!

  1. KarlaLuisa schreibt:

    „Ich beneide sie um diesen Satz.“

    Du beneidest sie um ihr Geld.

  2. ninjaan schreibt:

    Da surfst du nicht allein 😉 Feminist sein heisst so viel mehr als „Schwarzer“ toll finden, das verstehen nur leider immer noch zu wenige.

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