Sieben Gründe, warum Vegane mich nerven

Es gibt gute und weniger gute Gründe vegan zu leben, also auf tierische Produkte zu verzichten. Das hat viele Vorteile und einige Nachteile und ist eine ganz persönliche Konsumentscheidung – aber darum soll es hier nicht gehen. Was mich in letzter Zeit immer wieder nervt ist das unermessliche Sendungsbewusstsein und die Unreflektiertheit dieser Vegan-/Tierrechteszene.

1. Vegane wählen unfassbare Vergleiche

„Legebatterien sind Hühner-KZs“, „Der Holocaust auf Ihrem Teller“ – über diesen menschenverachtenden, Shoah-relativierenden Unsinn wurde schon viel kritisches geschrieben. Und trotzdem hört es nicht auf. Warum nicht? Weil es anscheinend innerhalb dieser Szene kaum jemanden interessiert, dass das einfach nicht klar geht. Sonst würde es doch nicht immer wieder an allen möglichen Stellen neu verbreitet.

Ein Beispiel:

auschwitz-tierrechte

 

 

 

 

 

 

 

2. Vegane denken offenbar immer nur ans Essen

„Wir haben immer Hunger“, erzählte mir neulich bei einem politischen Treffen eine Tierrechtefrau. Und dass sie neulich bei einem Spieleabend war, wo das ganze Essen mit Käse überbacken war. Und dass es im Landgasthof XY in der Provinz einmal nur Pommes für sie gab. Und dann erzählte sie was über Aufstriche. Und dann über Vitamin B12. Und dann über Lab. Dass es bei dem Treffen um ganz was anderes ging? Egal? Ich nenne das Derailing vom Feinsten. Und ganz schön egozentrisch.

3. Vegan ist das neue Pro-Ana

Diese ganze Veganstyle-Szene ist die perfekte Anlaufstelle für Menschen mit (beginnenden) Essstörungen. Wer ohnehin schon daran leidet, dass die Gedanken sich ständig zwanghaft mit Essen beschäftigen, wird in der Szene absolut bestätigt. Immer Hunger haben (wenn das denn wirklich so ist?!), Nahrungsmittel in gut und schlecht unterteilen, sich durch die eigene Ernährungsweise von anderen abgrenzen – das alles sind Symptome einer gestörten Beziehung zum Essen. Ich sage nicht, dass eine vegane Ernährungsweise mit einer Essstörung gleichzusetzen ist. Aber es fällt doch auf, dass vor allem junge Frauen anfangen, sich vegan zu ernähren. Wegen der Tiere, wegen der Gesundheit – und weil sie dünn sein wollen. Es gibt die Pro-Ana-Internetforen, in denen Leute sich gegenseitig abfeiern, weil sie es „schaffen“ ein absurdes Diätprogramm durchzuziehen (ein Apfel pro Woche oder so) und es gibt diese Tierrechte-/Veganzirkel, die genau das Gleiche machen. Das oben in der Überschrift ist eine steile These, merke ich selber.

4. „Mein Essen ist besser als deins“

Ja, es macht bestimmt total Spaß über eine Grillwiese oder ein „Volksfest“ oder den Weihnachtsmarkt zu gehen, sich die Nase zuzuhalten und sich lautstark über „Tote Tiere“, „Verwesung“ und „Mörder“ aufzuregen. Ganz schön herablassend. Gefällt mir nicht.

5. So stellen Tierrechteleute sich offenbar die Natur vor

tierchen

 

 

 

 

 

Ganz herzig, aber ziemlicher Quatsch.

6. Teller vorm Kopf

Das Bild da oben ist aus einer Werbung für eine Demo gegen Tiertransporte. Es geht um Versuchstiere, die von Tegel aus irgendwohin fliegen. Dass dort auch tagtäglich Menschen abgeschoben werden, spielt keine Rolle?!

7. Gegen Tierversuche – aber gegen die Konsequenzen

Vegane Leute werfen vegetarischen Leuten gerne Inkonsequenz vor, eben weil sie nur „den halben Weg gehen“ und manche tierische Produkte konsumieren. Aber sind die Tierrechteleute nicht auch total inkonsequent, wenn sie gegen Tierversuche demonstrieren, aber gleichzeitig alle Erkenntnisse und Methoden der modernen Medizin für sich nutzen? In der Medizin wird an toten Tieren das Operieren geübt, Impfstoffe und Medizin müssen getestet werden. Wenn Tiere „nicht-menschliche Tier“ sind und wenn Speziesmus der neue Rassismus ist (noch so ein Vergleich!), dann wäre es doch nur konsequent, wenn Menschen sich für Menschenversuche zur Verfügung stellen würden. So abwegig ist das nicht, es gibt immer wieder Studien, für die Proband_innen gesucht werden. Ich frage mich, ob das ein Thema in der Szene ist, also ob Leute das machen oder drüber nachdenken.

 Ja, das sind fiese Geschichten und dann auch noch sehr polemisch dargestellt. Ich habe Tierrechtemenschen/Vegane und den ganzen Lifestyle drum herum in einen Topf geworfen, das ist mir bewusst. Es gibt nicht „die Veganen“ oder „die Tierrechteleute“. Aber das oben Geschilderte ist in den letzten Tagen oder Wochen nun mal in meinen Radar gerückt. Und darum frage ich mich jetzt ernsthaft, warum sich trotz der ganzen oben beschriebenen Widerwärtigkeiten so viele Leute vehement identitär-vegan darstellen. Antworten?

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12 Antworten zu Sieben Gründe, warum Vegane mich nerven

  1. peador mors voluntas schreibt:

    Ich habe bei Grillfesten als Vegetarier auf das Fleisch aufgepasst. Für meine Eltern kaufe ich ein. Und ich habe Freßattacklen weil laut einigen tests unter einer schweren Depression leide. Das mag vielleicht auch daran das nur das Wissen das ich Veganer bin ausreicht das in meiner Verwandtschaft sich über mich lustig gemacht wird. Ich kann ebenso wenig ein Tier wie einen Menschen verletzen. Deswegen bin ich wahrscheinlich in euren Augen ein schlechter Mensch. Weil ich immer den Vorwurf zu hören bekomme ich sei Gutmensch weil ich mich lieber zusammenschlagen lasse und innerlich aufschreie wenn ich all diese Leichen in den Geschäften sehe und wehe ich sage etwas. PS. sich zusammenschlagen lassen ist keine theoretische Erfahrung.

    • schlottekamuffel schreibt:

      Ich finde es gut, dass du weder Tiere noch Menschen verletzen willst. Der Begriff „Gutmensch“ ist schrecklich, was soll daran schlecht sein, zu versuchen etwas Gutes zu tun?

      • peador mors voluntas schreibt:

        Nein ich will nicht, ich kann nur ein einziges Wesen verletzen und eliminieren. Und ja ich wurde schon als Radikal bezeichnet und ja ich finde schlimm über von dem Verhalten von einer über Person auf alle anderen Menschen zu schließen. Laut dir bin auch krank und leider unter der Essstörung Tiere und Menschen in Bezug auf Leidensfähigleit gleichzusetzen. Und Menschen dürfen sich nur für Sachen einsetzen die dir genehm sind. Aber wäre es vielleicht möglich als Veganer gegen Tierversuche und gegen Abschiebung zu sein? Ein psychisch gesunder Mensch ist anscheinend einer der egoistisch ist und nur seinen persönlichen Vorteil sieht? Jemand der für anderen ohne Gegenleistung hilft der Versucht Tiere zu retten ist ein kranker Mensch. Und für mich ist es die Hölle über ein Volksfest zu gehen und all die toten Tiere zu sehen. Es ist natürlich unverständlich das manche auf die Idee kommen durch entsprechende Bemerkungen zu versuchen zukünftige Tiere zu retten.
        Wie würdest du dir verkommen deinem Bekannten eine neue Peitsche zu kaufen damit er seine Frau schlagen kann? Schließlich ist es ja Privatsache was er daheim macht. Andersherum warum werden die Deutschen bevormundetet das sie weder Katzen noch Hunde essen dürfen?

  2. schlottekamuffel schreibt:

    Auch die Begriffe „krank“ und „ein psychisch gesunder Mensch“ habe ich nicht benutzt. Das mit der Peitsche verstehe ich nicht. Ist es in Deutschland verboten, Hunde und Katzen zu essen? Oder ist es nur den „Deutschen“ verboten?

  3. peador mors voluntas schreibt:

    Es ist in Deutschland verboten Hunde und Katzen zu essen. Mit krank beziehe ich auf den Vergleich hier: „3. Vegan ist das neue Pro-Ana“
    Die Peitsche entspricht den Sachen die ich für meine Eltern einkaufen soll. Die Peitsche kann aber auch Bild sein für das imn Bezug auf dieses Zitat „Das hat viele Vorteile und einige Nachteile und ist eine ganz persönliche Konsumentscheidung“. denn diese persönliche Konsumentscheidung betrifft eine dritte Partei, genau wie das mitbringen der Peitsche nicht nur dich und deinen Bekannten betreffen würde, sondern auch dessen Frau. Oder das mitbringen braucht es gar nicht. Es seine persönliche Entscheidung wie er mit seiner Frau in seinen vier Wänden umgeht.

    • schlottekamuffel schreibt:

      Häusliche Gewalt ist keine persönliche Konsumentscheidung!

      • peador mors voluntas schreibt:

        In dem Moment wo du jemanden die Peitsche besorgst ist es deine Konsumentenentscheidung. Genauso wie ich den Tod verdiene, weil ich an den den geschredderten Vogelkindern und geröteten Tieren mitbeteiligt bin, wenn ih Eier und Fleisch für meine Eltern einkaufe.

  4. schlottekamuffel schreibt:

    Ich werde auf diese Kommentare nicht mehr eingehen. Ich glaube, die Person hat entweder ernsthafte Probleme oder ist ein Troll. Weitere Kommentare von peador mors voluntas schalte ich nicht frei.

  5. pell dalipi schreibt:

    Ich bin bei Dir, wenn es um Wörter wie „KZ“ und „Holocaust“ geht, die ich niemals in dieser Hinsicht verwende und auch für ziemlich dumm finde. Im englischen Sprachraum wird mit diesen Wörtern allerdings anders umgegangen als hier. Dass das unter deutschsprachigen Veganern aber auch mittlerweile verwendet wird, finde ich ziemlich bedenklich. Aber auch damit bin ich nicht alleine. Es gibt dazu genügend Dialoge. Es ist also nicht so, als stünden alle hinter dieser Botschaft.

    Und da ist auch der Kern des Problems. Du hast keine Ahnung, wovon Du schreibst und dass etwas auf Deinem Radar ist, scheint auch keine Einladung zu sein, sich näher damit zu befassen, bevor man irgendwelche herablassenden und vollkommen absurden Dinge äußert. Ich stehe hinter Veganismus als Idee und Ideal, weil es die einzige Form ist, die die Rechte und Freiheiten der Tiere als schützenswert betrachtet.

    Es gibt nicht auf alles Antworten. Das wird auch nirgends so behauptet. Dass der Status Quo aber absolut ungerecht ist, ist schwer zu leugnen, oder? Dass Du eine Bewegung auf die letzte Modeerscheinung beschränkst, ist auch ziemlich daneben, oder? Dass Du Veganismus mit Pro-Ana vergleichst, obwohl die Schneidepunkte nirgends existieren, ist auch absurd, nicht? Wieso also schreibst Du ganz offensichtlich Zeug, von dem Du Dank Deinem Disclaimer am Ende selbst ausgehst, dass er nicht besonders gut begründet sein kann?

    Natürlich sind Fragen zu medizinischen Tests und Ernährung, usw. sinnvolle Diskussionspunkte. Aber hier gibt es auch sehr viele Positionen. Von „man muss von Fall zu Fall abwägen“ bis zu „wenn es der Preis ist, den wir zahlen müssen, dann müssen wir diesen Preis eben zahlen“. Das sind schwierige Themen. Dahinter stehen Lebewesen, die leiden, Gefühle haben, sehr viel komplexer sind als Salami am Ende aussieht. Ich sage nicht, dass die Antworten eindeutig sind, sich darüber aber keine Gedanken zu machen, das alles als Generve abzutun, obwohl da deutlich leidende Wesen sind, genau wie Du und ich, ist aber eindeutig ziemlich ignorant, rückwärtsgewandt und unempathisch.

    Wenn ich Dich also nerve, weil ich für Tiere einschreite, dann gerne.

    • schlottekamuffel schreibt:

      Auch die Verwendung anderer Sprachen macht es nicht besser, wenn durch menschenverachtende Vergleiche der Holocaust relativiert wird.

      • pell dalipi schreibt:

        Ich wiederhole mal, dass ich Begriffe wie KZ, Holocaust, usw. in dem Zusammenhang ziemlich falsch finde. Habe ich oben auch geschrieben, oder? Und dann noch eine Reihe anderer Sachen, zu denen Du Dich nicht äußerst.. Also bitte, hör auf mir irgendeine Relativierung vorzuwerfen, wenn ich deutlich kennzeichne, dass ich das genau wie Du falsch finde.

  6. prinzessinerde schreibt:

    Was mich an veganen Leuten nervt, die Tierschutz als Motivation angeben: Im Pflanzenbau werden so extrem viele Tiere umgebracht, damit von der Ernte was übrig bleibt: schwarze, rote, grüne Läuse, Kartoffelkäfer, Feldmäuse, Schnecken, Fliegen,… Ob mechanisch durch die eigenen Hände Arbeit oder chemisch durch Pestizide. Sind denn dann die Leiden dieser Tiere beim Mordprozess weniger wert als die von diversen Nutztieren? Beim Essen herstellen gehen hald immer Tiere drauf. So what.

    Und wenn man keinen Schwermetall belasteten Klärschlamm auf dem Feld haben möchte, gibt es zu tierischen Düngern bisher kaum Alternativen.

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