Beleidigungen – Worum es gehen sollte

Ein sonniger Samstag im April 2014. Mit ein paar Freund_innen und Bekannten radele ich gut gelaunt nach Kreuzberg. Die NPD will da rummarschieren – und das kommt ja mal gar nicht in die Tüte. Immer noch gut gelaunt setze ich mich in die Blockade an der Heinrichstraße und freue mich, dass schon so viele Menschen da sind. Und dann habe ich plötzlich ganz, ganz schlechte Laune. Da hat sich doch tatsächlich einer ein Schild gebastelt, auf dem steht: „Wissenschaftlich erwiesen: Nazis haben kleine Schwänze (und Schrumpfhoden)“. Eine Frau versucht, dem Typen zu erklären, dass weder die Größe noch überhaupt das Vorhandenseins eines Penis in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen sollten – vergeblich. „Ist doch witzig“, sagt der Typ, „und die Nazis ärgert das eben.“

Schon lange frage ich mich: Muss es denn sein, dass immer wieder auf diskriminierende Bezeichnungen und Sprüche etc. zurück gegriffen wird, wenn es darum geht, gegen Nazis zu sein? Die bieten doch genug Angriffsfläche, sie verbreiten Angst und Schrecken, begehen Gewalttaten und Morde. Das ist das Problem, und nur das. Was sie in der Unterhose haben, wie sie aussehen, ob sie dumm sind, dass die Rednerin mal eine Frau ist und mit wem die ins Bett geht, dass eine Nazifrau mal in Pornos mitgespielt hat, ist nicht das Problem. Echt nicht.

Immer wieder läuft es mir kalt den Rücken runter, wenn ich im Netz sehe, dass da Wörter wie „Loser“ oder „schwarzbraune Bildungsverlierer“ benutzt werden. Ja, diese jungen Männer, die jetzt bei Facebook Kartoffel-Selfies posten, sind lustig anzusehen. Viele haben Pickel oder fettige Haare, manche haben Namen, die mit bestimmten Klischees verbunden werden. Einige kommen bestimmt auch aus Ostdeutschland. Und dann machen sie auch noch Rechtschreibfehler. Aber das ist nicht der Punkt. Diese Jungs machen diese Fotos, um ihren deutschen Nationalstolz zu präsentieren und auf angeblichen „Deutschenhass“ aufmerksam zu machen. Darum sollte es gehen.

Was ist überhaupt ein „Bildungsverlierer“? Einer, der keinen guten Bildungsabschluss hat, klar, der muss ja dumm sein. Dass die meisten sogenannten „Bildungsverlierer“ zu solchen geworden sind, weil ihnen Chancen verwehrt blieben, fällt unter den Tisch, auch dass jeder und jede durch Jobverlust, Krankheit, persönliche Krisen, usw. ratzfatz zum „Loser“ werden kann. Besonders schade finde ich, dass die Leute, die so etwas schreiben eigentlich ja auch gegen Vorurteile, Sexismus, „Unterschichten“-Bashing, Lookism, Classism, Racism, Ableism, etc-ism sind. (Das setze ich jetzt einfach mal voraus bei Menschen, die sich in dem Spektrum bewege, von dem ich rede, also z. B. in Facebookgruppen, in denen es um Antifa und linke Politik geht.) Trotzdem wollen sie sich über andere stellen, benutzen „dumm“ als Kategorie, um jemanden abzuwerten und sich abzugrenzen.

Manche argumentieren ja so, dass sie sich eben „auf das Niveau der Gegners“ herab begeben, um diese am besten zu treffen. Man weiß ja, dass die nicht als „schwul“ oder „behindert“ oder „asozial“ bezeichnet werden wollen. Aber, Leute, was ihr dabei vergesst, ist, dass ihr in dem Moment aktiv diskriminiert – und zwar nicht nur die Nazis. Beleidigungen im öffentlichen Raum treffen nie nur die Zielperson, sie werden auch von allen anderen wahr genommen. Denkt mal darüber nach, bevor ihr das nächste Mal  „Faschisten fisten“, „All Cops are Bastards“ oder eben „Nazis haben kleine Schwänze“ schreibt.

Es bedankt sich mit freundlichen Grüßen: Eure Schlotte Kamuffel

PS: Meine Freundin C. und ich malen gerne Plakate und machen Buttons und so ein Zeug. Wenn ihr gute Vorschläge für uns habt (die müssen aber kurz sein und schön), könnt ihr die gerne posten, wir freuen uns und basteln dann los! Und hier gibt es einen sehr guten Artikel zum Thema oben: „Dumme Hellersdorfer Nazi-Prolls“, Antifaschistisches Infoblatt, 17. April 2014

 

 

 

 

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„Friedensdemos“, Esoterik und der ganze andere Quatsch

Zur Zeit wird viel über die so genannten „Friedensdemos“ berichtet, die jetzt wohl jeden Montag in verschiedenen Städten stattfinden – ein Sammelbecken für Antisemit_innen, Chemtrail-Paranoiker_innen und Spinner_innen jeglicher Coleur, in dem sich auch bekannte NPD-Kader wohl fühlen wie die Fische im Wasser. Wer mehr darüber wissen will, kann sich informieren, es gibt inzwischen viele Infos dazu im Netz.

Was mich aber gerade (nein, eigentlich auch schon viel länger) beschäftigt, ist diese ganz persönliche Frage: Wie soll ich eigentlich damit umgehen, wenn „Friedensdemos“, Antisemitismus, Esoterik und der ganze andere Quatsch sich auch in meinem Umfeld bemerkbar machen? Beispiele? Beispiele!

  • Eine ehemalige Arbeitskollegin von mir postet regelmäßig antisemitische Texte, Karikaturen, etc. bei Facebook. Gaza sei ein KZ, heißt es da, die westlichen Regierungen seien von Jerusalem oder wahlweise der „Ostküste“ (Erklärung: „Ostküste“ = antisemitisches Code-Wort für das angebliche „Finanzjudentum“) gesteuert, usw. Der ganz alltägliche Wahnsinn des als Israel- oder Kapitalismuskritik getarnten Antisemitismus eben. Dazwischen auch mal was zu „Chemtrails“ (Erklärung: „Chemtrails“= als Vergiftungsmaßnahme missverstandene harmlose Flugzeugkondensstreifen) oder darüber, dass es angeblich lebensbedrohlich ist, wenn Kinder geimpft werden. Eine Zeit lang lese ich mir die Postings dieser Frau sogar bewusst durch, um zu wissen, was in dieser komischen Eso-Antisemiten-Szene abgeht. Irgendwann kann ich es aber nicht mehr sehen, Anlass ist eine antijüdische Karikatur, die aussieht, als sei sie direkt dem NS-Hetzblatt „Stürmer“ entnommen worden. Ich schreibe der Frau eine kurze Nachricht, die sie natürlich nicht versteht („Antisemitin? Ich? Wieso?“), lösche die Lady aus meiner Freundschaftsliste, und gut ist`s. Gut? Ich weiß ja nicht, zahlreiche Freundinnen und Freunde oder Bekannte von mir sind nach wie vor mit dieser Frau bei Facebook befreundet. Das heißt, in ihrer Timeline, dem täglichen Nachrichtenfluss bei Facebook, tauchen regelmäßig antisemitische Hetz-Texte auf! Nehmen sie das gar nicht wahr? Oder stören sie sich nicht daran? Oder nehmen sie es nicht ernst, weil die Frau bekanntermaßen einige Probleme hat? So ganz genau weiß ich das nicht.
  • Ein Freund schickt mir den Link zu einem Ken-Jebsen-Video, er kannte diesen unsäglichen Hetzer bisher nicht und findet dessen Aussagen zum Ukraine-Konflikt „ganz interessant“. Ich schicke ihm ein paar Links, die glasklar Jebsens Antisemitismus belegen. Er liest sie durch, bedankt sich für die Infos und verzichtet darauf, Ken Jebsens Video bei Facebook zu posten. Ich finde es super, dass er bereit ist, sich zu informieren!

 

  • Als ich das Baby von Freund_innen auf dem Schoß sitzen habe, entdecke ich, dass es eine Kette mit bräunlichen Steinen trägt. „Das ist Bernstein, so eine Kette hilft, dass das Zähnekriegen nicht so weh tut“, erklärt mir die Mutter, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Ich traue mich nicht, was dazu zu sagen, jungen Eltern soll man nicht reinreden, heißt es immer. Vor allem, wenn man selbst keine Kinder hat, wird man sowieso nicht ernst genommen, das ist jedenfalls meine Erfahrung. Innerlich verdrehe ich die Augen (ja, ich kann das inzwischen machen, ohne, dass man`s merkt, jedenfalls meistens) und denke mir meinen Teil: „Ja ja, Bernstein hilft gegen Schmerzen, äußerlich angewendet, alles klar. Wahrscheinlicher ist, dass das Baby sich an der blöden Kette strangulieren könnte, aber nun ja…“

 

  • In der Tageszeitung meiner ehemaligen Heimatstadt Bielefeld steht eine überschwängliche, positive Kurzrezension zu einer Platte der Band „Die Bandbreite“. (Erklärung: „Die Bandbreite“ = eine völlig verwirrte, zum Glück recht unbekannte Hip-Hop-Band aus dem Ruhrgebiet, die immer wieder durch antisemitische Hetze und üble Verschwörungstheorien in ihren Texten auf sich aufmerksam macht). Ich bin davon überzeugt, dass die Redaktion besagter Zeitung keine Ahnung hat, was sich hinter der Bandbreite verbirgt. Wer kennt schon die „Bandbreite“, in den Charts waren die ja glücklicherweise noch nie. Der Autor des Textes, den ich von früher kenne, postet bei Facebook ähnlichen antisemitischen Müll wie die oben erwähnte Frau. Ich überlege, ihn anzuschreiben, denke sogar kurz über einen Leserinnenbrief an die Zeitung nach, schreibe aber nichts. Inzwischen ist das alles schon ein Weilchen her, ich ärgere mich bis heute, dass ich nichts gemacht habe.

 

  • Ein Freund von mir, eigentlich war er mal erklärter Steiner-Gegner, verteidigt plötzlich vehement die anthroposophische Pädagogik (die Kinder seiner Partnerin besuchen einen Waldorf-Kindergarten). Plötzlich ist keine Rede mehr davon, dass die Steiner-Schulen zutiefst antiaufklärerisch sind, dass dort wirres Zeug von „Ätherleibern“ und   „Wurzelrassen“ gelehrt gefaselt wird. Nein, nein, man müsse bei den Anthros ja unterscheiden, um welchen Kindergarten und welche Schule es sich handele, außerdem sei doch die musische Förderung dort so toll und, dass die so viel mit den Kindern raus in die Natur gehen, usw. Dass man mit Kindern prima malen und musizieren und rausgehen kann, ohne der rückständigen Steiner-Ideologie zu folgen, scheint da etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Klar, dass mein Kumpel (wie die Mehrheit der Anthros) auch dagegen ist, Kinder gegen Masern impfen zu lassen: „Wieso denn? Ich hatte auch Masern, war gar nicht schlimm.“ Dass die Masern extrem gefährliche, ja tödliche Folgen haben können und sich gerade dank der Waldorfschulen wieder munter ausbreiten will er gar nicht hören. Das staatliche Erziehungs- und Bildungswesen sei eben Scheiße, da müsste man ja nach Alternativen suchen. Ich schweige irritiert.

 

  • Ich habe eine hartnäckige Erkältung, die seit drei Wochen nicht verschwinden will. Eine Bekannte empfiehlt mir homöopathische Globuli (Erklärung: Globuli= wirkstoff-freie Zuckerkügelchen, die in der homöopathischen „Medizin“ gegen jede Krankheit eingesetzt werden, die es gibt). Als ich sage, dass ich nichts von Homöopathie halte und die Unwirksamkeit ja nun hinlänglich bewiesen wurde, entgegnet sie mir: „Bei meinem Mann hat das aber ganz toll geholfen.“ Ich sage einfach mal gar nichts, schlucke natürlich keine Globuli und werde auch so wieder gesund.

 

  • Ich bin bei der Freundin eines Freundes zu Besuch, sie gibt mir Wasser zu trinken. Aus einer Karaffe, in der rosa Steine liegen. Das seien Rosenquarze, erklärt sie mir, die würden dem Wasser „eine ganz andere Energie geben, es irgendwie besser machen“. Wie genau das funktionieren soll, hat sie vergessen, aber es sei eine „uralte Tradition“. An den Steinen hängt undefinierbarer Belag und Schmodder. Mich graust und ekelt es, ich sage aber nichts und lasse nur das Wasser stehen, obwohl ich Durst habe.

Ich könnte jetzt noch seitenlang weiter schreiben, so viele Beispiele fallen mir ein. Immer wieder begegnet mir selbst in meinem vermeintlich „gebildeten“ Umfeld dieser haarsträubend bescheuerte esoterische, verschwörungstheoretische Unsinn. Und ich frage mich jedes Mal, wie ich darauf reagieren soll. Klar, bei offenem oder auch verklausuliertem Antisemitismus, will ich, muss ich einschreiten, das geht gar nicht.

Aber wie sieht es aus mit diesen vermeintlich harmlosen Spinnereien, wo ziehe ich da die Grenze? Bei Globuli gegen eine Erkältung könnte ich nach der Devise „whatever works“ ein Auge zudrücken, was soll`s? Aber was mache ich, wenn diese Leute sich dann bei einer ernsthaften Erkrankung weigern, sich medizinisch behandeln zu lassen, weil sie Angst vor der ominösen Pharma-Lobby haben und die Zuckerkügelchen gegen Wehwehchen XY ja auch so toll geholfen haben? Da hört der Spaß auf. Noch dramatischer wird`s, wenn es um die Gesundheit der Kinder meiner Bekannten geht. (Nicht vergessen: Masern können tödlich sein und alle Kinder gehören dringendst dagegen geimpft!)

Ich kann und will nicht meine Klappe halten. Ein bisschen Humbug kann ich ja tolerieren, zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr raus, könnte ich mir sagen, aber langsam habe ich den Eindruck, dass Zuckerkügelchen oder Mondgymnastik so eine Art „Einstiegsdroge“ für Schlimmeres sind. Erst kommt das Kind in die Anthro-Kita, plötzlich ist der Himmel voller „Chemtrails“, und dann regieren die Juden die Welt und müssen bekämpft werden, oder so ähnlich? Aus Irrationalität wird so schnell Inhumanität, die Montagsdemonstrationen sind ein schönes Beispiel.

Aber manche Leute freuen sich ja auch über Informationen (siehe oben). Also sollte ich jedes Mal eine aufklärerische Intervention starten – auch auf die Gefahr hin, als besserwisserische Nervensäge abgestempelt zu werden? Will ich beim Kindergeburtstag mit Eltern über Impfungen streiten? Und was ist mit Facebook-Freund_innen, die die unmöglichsten Sachen liken und zum Beispiel diesem spinnerten Ken Jebsen folgen? Soll ich die dauernd alle anschreiben und informieren? Oder einfach entfreunden und ignorieren?

Wie gehen andere mit so etwas um, zum Beispiel die Leser_innen meines Blogs? Ich freue mich über Antworten, behalte mir aber wie immer vor, die Kommentare per Hand frei zu schalten – oder manchmal auch nicht.

 Anti-esoterische Grüße, eure Schlotte Kamuffel

 

 

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„Ich habe vier Kinder, Ende Juni müssen wir raus. Aber wo sollen wir denn hin?!“

Heute Morgen war ich in der Jahnstraße in Britz. Das Berliner Bündnis „Zwangsräumung verhindern“ hatte dazu aufgerufen, bei der angekündigten Räumung einer Familie aus ihrer Mietwohnung wenigstens Präsenz und Protest zu zeigen (das mit dem Verhindern ist ja immer so ’ne Sache…).  Es war kalt, es war früh – und trotzdem bin ich froh, dass ich da war, es gab nämlich Kuchen und gute Gespräche, zwei meiner Lieblingssachen. 🙂

Ein Bewohner des Hauses hat mir erzählt, was da gerade passiert: Sechs Mietparteien fliegen raus. Unverschuldet. Es ist wirklich unglaublich. Das Haus wurde verkauft, nicht ungewöhnlich in Berlin, das Haus, in dem ich wohne, hat zum Beispiel auch schon zwei mal in fünf Jahren den Besitzer gewechselt. In diesem Fall ist aber etwas ganz Komisches passiert. Der neue Hausbesitzer hat nämlich kein Konto für die Mietzahlungen angegeben. Das Jobcenter Neukölln hat aber monatelang weiter die Miete auf das Konto der alten Hausbesitzer überwiesen. Pech gehabt – die Mieter_innen wurden gekündigt, wegen angeblicher Mietschulden. Wo das ganze Geld geblieben ist? Man weiß es nicht… Warum die neuen Hausbesitzer nicht eher Bescheid gesagt haben, dass die Mieter so lange bei ihnen in der Kreide standen, liegt auf der Hand: Neue Mieter bringen mehr Geld, weil in neuen Mietverträgen in Berlin inzwischen vergleichsweise astronomische Summen festgelegt werden dürfen.

„Ich habe vier Kinder,“ erzählte mir der Mann, „Ende Juni müssen wir raus. Aber wo sollen wir denn hin?!“ Dass er eine bezahlbare Wohnung in der Nähe finden wird, glaubt er nicht. „Vielleicht in Marzahn oder so, aber hier in der Gegend bestimmt nicht.“ Eine Ladenbesitzerin um die Ecke habe ihm empfohlen er solle doch „einfach zurück in die Türkei“ ziehen. „Zurück in die Türkei? Ich bin hier geboren, was soll das denn?“

Der Mann hat alle Hebel in Bewegung gesetzt und versucht, etwas gegen die Kündigung zu unternehmen. Das Jobcenter hat ihm sogar ein Darlehen gegeben, damit er die Mietschulden (die er ja eigentlich gar nicht hatte!) beim neuen Hausbesitzer ausgleichen konnte. Doch die blieb ungnädig und hielt die Kündigung aufrecht. Dagegen zu klagen geht auch nicht, Prozesskostenbeihilfe für Hartz-IV-Empfänger_innen gibt es nämlich nur dann, wenn die Prognose gut ist, dass man den Prozess gewinnen wird. „Der Anwalt meinte, ich hätte sowieso so gut wie keine Chance“, erzählte der Mieter. Er findet es gut, dass mit dem Protest vor seiner Tür auf den Skandal aufmerksam gemacht wird. „Eigentlich müssten hier ein paar tausend Leute sein“, meint er, “ sowas kann doch offenbar Jedem passieren!“

Nach Angaben von „Zwangsräumung verhindern“ finden in Berlin jede Woche rund zwanzig Zwangsräumungen statt – meistens unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Manchmal melden sich die Leute bei uns oder wir bekommen das sonst irgendwie mit, aber meistens nicht“, sagte eine Aktivistin des Bündnisses. Wie Recht sie damit hat, wurde mir eben klar, als ich auf Tagesspiegel.de vorbei kam. Während des Protests am oberen Ende der Jahnstraße wurde in der gleichen Straße ohne Kenntnis des Bündnisses eine Wohnung geräumt, was den Tagesspiegel zu dieser hämischen Überschrift inspirierte: „Polizei-Einsatz in Berlin-Kreuzberg. Räumung: Aktivisten standen vor dem falschen Haus“. Nein, das war nicht in Kreuzberg, sondern in Britz. Nein, es war nicht das falsche Haus, sondern ein weiteres, in dem die Mieter_innen rausgeschmissen wurden, aber was soll’s? 😉

Die für heute angekündigte Zwangsräumung im oberen Teil der Jahnstraße fiel übrigens aus, die Gerichtsvollzieherin tauchte einfach nicht auf. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und neben der vierköpfigen Familie, die heute eigentlich dran gewesen wäre, sind fünf weitere Mietparteien in den nächsten Monaten bedroht.

Ich wünsche mir dass mehr Leute bei solchen Aktionen mitmachen! Es kann doch nicht angehen, solche Fiesheiten widerspruchslos hinzunehmen! Ich muss zugeben, das Thema „Zwangsräumungen“ hatte ich bisher auch noch nicht so auf dem Schirm. Aber im Gegensatz zu manchen anderen Aktionen finde ich solche Kundgebungen wie heute extrem sinnvoll. Und sei es „nur“ um Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen und das Thema in die Zeitung zu bringen. Mich hat das heute Morgen so aufgerüttelt und sauer gemacht, dass ich jetzt hoch motiviert bin, weiter dabei zu sein. Am Freitag geht es weiter…

Mehr:

Fotos: https://www.flickr.com/photos/neukoellnbild/sets/72157643202476324/

Ber­li­ner Ku­rier:  Die Mietrebellen kämpfen die nächste Räumungsschlacht

BZ: Hier klicken für einen sehr bescheuerten BZ-Artikel

 

 

 

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Alle gegen Alice – ich bin dabei!

Die sogenannte Feministin Alice Schwarzer wird derzeit massiv kritisiert, weil sie Steuern hinterzogen hat (dabei gäbe es viel wichtigere Kritikgründe…). Acht EMMA-Redakteurinnen haben jetzt einen Heulchor gegründet und sich geschlossen hinter das angebliche Opfer gestellt. Meine zwei Cents dazu:

Eins ist klar: Alice Schwarzer sieht sich selbst als Opfer. Sie konnte doch gar nicht anders, als ihr Geld in die Schweiz zu bringen. Die Gründe dafür hat sie kürzlich in ihrem Blog überzeugend dargestellt:

1. Irgendwo muss man ja hin mit dem Geld, vor allem, wenn man zu viel davon hat. „Es war einfach da“, schreibt die Schwarzer. (Ich beneide sie um diesen Satz. Ich will auch mal so etwas schreiben können, das muss toll sein!)

2. Alice Schwarzer wurde in Deutschland verfolgt. So schlimm war das, dass sie fast schon emigrieren musste: „Ein Wort noch zu meinen Gründen für dieses Konto: Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen.“

Soweit, so Schwarzer. Dass die Frau in ihrer eigenen Welt lebt, ist bekannt. Eine Welt, in der nur ihre Meinung zählt. Wer was anderes sagt oder schreibt oder auch nur Belege für krude Thesen einfordert (zum Beispiel aktuell in der Prostitutionsdebatte) ist in Schwarzers Augen anti-feministisch und unterdrückt ihre freie Meinungsäußerung als Autorin. Politische Verfolgung sozusagen, alle gegen Alice.

Interessant ist aber nun zu beobachten, dass die Gute offenbar gar nicht so allein ist in ihrer verschrobenen Welt: Acht wackere EMMA-Redakteurinnen haben einen Text geschrieben, in dem sie sich hinter ihre Chefradakteurin stellen. „Wir wollten eigentlich nichts zu der Berichterstattung über Alice Schwarzer sagen“, schreiben die Journalistinnen, „Die aber hat ein Ausmaß an Diffamation erreicht, dass wir es jetzt doch tun.“

Worum geht`s? Um die Steuergeschichte? Nein, es geht plötzlich um ominöse ehemalige EMMA-Mitarbeiterinnen, „anonyme Informantinnen aus den 80ern“, die angeblich bis heute nichts besseres zu tun haben, als die arme Frau Schwarzer fertig zu machen. Mal davon abgesehen dass redaktionsinterne Querelen und die Steuergeschichte zwei paar Schuhe sind – die Behauptung ist unwahr.

Die WDR-Moderatorin Lisa Ortgies, die nach zwei Probemonaten als Chefradakteurin der EMMA frustriert wieder gegangen ist (wurde), kann man doch nicht ernsthaft als „anonyme Informantin“ bezeichnen. Sie habe „keinen konzeptionellen Vorschlag und keines der Themen, für die ich angetreten bin, verwirklichen können“, hat Ortgies 2008 gesagt. Ganz öffentlich war das, es stand in allen Medien, und garantiert hat Lisa Ortgies ihr Statement autorisiert und sich nichts in den Mund legen lassen. (Die Frau hält jede Woche bei FrauTV im WDR ihr Gesicht in die Kamera, ein ganz alter Hase im Mediengeschäft ist sie, die weiß also, was sie tut, wenn sie sich in der Presse zitieren lässt.)

Aber die EMMA-Frauen beharren auf diesem „anonyme Informantinnen“-Quatsch und faseln von einer „gezielten Demontage einer unbequemen Person“. (Übrigens: Versuchen die Journalistinnen nicht gerade, durch diffuse Äußerungen Lisa Ortgies zu diskreditieren, wenn sie von einem „bisweilen erstaunlichen Verhalten der potenziellen Nachfolgerinnen, über das wir selbstverständlich diskret geschwiegen haben“ berichten? Was ist daran fair? Die Ortgies hat wenigstens gesagt, was ihr nicht gepasst hat.)

Liebe EMMA-Redakteurinnen! Habt ihr es nicht kleiner? Merkt ihr nicht, dass ihr maßlos übertreibt, mit eurer These von der „Schwarzer-Vernichtungswelle, die in ihrem diffamatorischen Umgang mit einer öffentlichen Person in Deutschland ihresgleichen sucht.“?

Ich will gewiss nichts verharmlosen. Feministinnen wurden und werden angegriffen, bedroht und lächerlich gemacht. Das passiert immer wieder, jeden Tag, und es ist schrecklich! (Zweifel? Dann empfehle ich mal einen Blick auf hatr.org, wo solche Vorfälle gesammelt werden.)

Aber darum geht es doch gar nicht, wenn Alice Schwarzers Steueraffäre thematisiert wird. Und es ist auch nicht diffamierend, wenn Menschen ihre unbelegten Thesen zum Thema Prostitution kritisieren. Oder ihre Mitarbeit bei der Bild-Zeitung. Oder ihr seltsames Geschäftsgebahren in ihrem FrauenMediaTurm in Köln, dem jetzt wohl hoffentlich endlich alle öffentlichen Mittel entzogen werden. All das ist keine antifeministische Diffamierung oder politische Verfolgung.

Es ist, was es ist. Kritik an Alice Schwarzer. An einer öffentlichen Person, die offenbar viel Geld hat und darüber hinaus auch noch viele Kanäle, um ihre Positionen zu verbreiten. Alice Schwarzer hat Macht und Einfluss, sie ist nicht das Opfer, zu dem die EMMA-Redakteurinnen sie stilisieren wollen.

Ich finde es schade, dass Feminismus und Schwarzer-/EMMA-Positionen in Deutschland immer noch gleich gesetzt werden. Schade, dass immer nur sie in den Talkshows sitzt, dass andere gar nicht erst angehört werden.

„Wir sollten uns nicht spalten lassen“, habe ich neulich gehört, als ich mit einigen deutlich älteren Feministinnen beim Bier über Schwarzer diskutiert habe. Doch, wir sollten uns spalten lassen. Ich finde Alice Schwarzers Allmachtsansprüche in Sachen Feminismus richtig schlimm. Und ich hab Lust zu surfen – auf der „Anti-Alice-Welle“…

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Schon wieder Bielefeld: Referent mit starkem Rechts-Drall im IBZ

Aktualisierung: Transition Town Bielefeld hat mitgeteilt, sie seien nicht die Veranstalter des Vortrags mit Jörg Bergstedt. Die Gruppe wirbt nicht mehr für den Vortrag und hat die Veranstaltung in einem Kommentar zu dem folgenden Text als „extern“ bezeichnet. Slowfood Deutschland, Convivium Bielefeld / OWL wirbt für Jörg Bergstedts Auftritt im IBZ.

Der Autor Jörg Bergsted ist ein bekannter Öko-Aktivist, der sich selbst als Anarchist bezeichnet. Er hat allerdings keine Hemmungen, auf rechten Eso-Veranstaltungen aufzutreten. Am Sonntag, 9. Februar 2013, wird ihm eine Plattform in Bielefeld geboten. Laut Werbung der Öko-Nachhaltigkeitsgruppe „Transition Town Bielefeld“ spricht er im Internationalen Begegnungszentrum IBZ-Friedenshaus über sein Buch „Monsanto auf Deusch“.

(Ankündigung auf der Homepage von Transition Town)

Warum es besser ist, den Vortrag abzusagen

Bergstedt wanzt sich öffentlich und völlig hemmungslos an die rechte Verschwörungstheorien-Szene heran.

Immer wieder tritt Bergstedt als Redner bei Konferenzen der sogenannten “Anti-Zensur-Koalition” (AZK) auf. Das ist eine ziemlich große Community, in der sich haufenweise Spinner zusammen gefunden haben. Die glauben, dass Kondensstreifen „Chemtrails“ sind, die krank machen. Dass Impfen das Schlimmste ist, was man einem Kind antun kann. Dass die lebensgefährliche „Germanische Neue Medizin“ eine tolle Heilmethode ist. Dass die Welt heimlich von Juden regiert wird. Dass alle Medien lügen und nur sie die wahre Wahrheit kennen. Und so weiter.

„Reichsbürger“, Eso-Sektierer, Holocaustleugner_innen, Rudolf-Hess-Verehrer_innen, HIV-/-AIDS-Leugner_innen, Pseudo-Wissenschaftler_innen, UFO-Freaks, …

Alle sind dabei – Jörg Bergstedt auch (nachweislich zum Beispiel am 27. 11. 2010 und am 29.10.2011). Die Ausrede, er wüsste nichts von der Rechtslastigkeit der AZK, zieht nicht. Er wurde mehrfach damit konfrontiert. Es ist ihm offenbar egal.

Und so eine Person wird im IBZ einen Vortrag halten?! Im Ernst?!

Liebe Leute vom IBZ! Denkt doch noch mal drüber nach. Im Ernst!

Links:

Artikel über Jör Bergstedt im Wiki „Anarchopedia“

Artikel über die Anti-Zensur-Koalition im Wiki „Psiram“

Links zu Bergstedt im Wiki „Inrur“

Jörg Bergstedt und die rechten Verschwörungstheoretiker, Artikel auf linksunten.indymedia

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Keine gute Kinderstube – ein Abend mit Jutta Ditfurth

Am Freitag war ich im Literaturhaus in Berlin, Jutta Ditfurth stellte dort ihr neues Buch „Der Baron, die Juden und die Nazis“ vor, das ich (noch) nicht gelesen habe. Es handelt davon, wie der deutsche Adel schon lange vor dem NS Juden diffamiert und ausgegrenzt hat und später gegen die Ermordungen keine Einwände hatte und sich selbst eifrig an Verbrechen beteiligte. Hier mein Bericht:

Silbergrau ist der erste Eindruck, als ich das Literaturhaus betrete. Eine lange Schlange von Seniorinnen und Senioren wartet auf der Treppe am Ticketschalter. Das Publikum hätte ich mir deutlich jünger vorgestellt, aber nun ja, es ist das Literaturhaus in Charlottenburg, eine edle Location, in der der Einlass für eine Lesung acht Euro kostet.

Der Saal ist schon rappelvoll, als ich endlich rein komme, aber ein politisch interessierter (Stadt-) Bekannter (X.) hat mir netterweise einen Platz frei gehalten. Glück gehabt, denn alle, die es nicht in den ersten Saal geschafft haben, müssen im zweiten Saal Platz nehmen und sich die Lesung als Videoübertragung ansehen und sind von der anschließenden Diskussion ausgeschlossen. (Doof sowas!)

Und dann kommt Jutta*. Souverän, sympathisch, redegewandt – also, ich find`die ja toll. Nicht uneingeschränkt aber ziemlich, auch wenn ich zum Beispiel ihre Meinhof-Verklärung wunderlich finde. Ich wurde zum „Jutta-Fan-Girl“, als mir jemand ihr klitzekleines Buch „Was ich denke“ gegeben hat, als ich noch recht jung war. Seitdem hatte ich die Frau immer auf dem Schirm und habe zwar nicht alle, aber viele ihrer inzwischen 16 Bücher gelesen. Gut finde ich an ihr zum Beispiel, dass sie immer noch, immer wieder auf den Grünen rumhaut, wenn sie auf die Gefahren rechter Esoterik und Anthroposophie hinweist und wenn sie die Talkshows aufmischt. Wer macht das denn, wenn sie`s nicht macht? Mir gefällt vor allem, dass Jutta Ditfurth in der Lage ist, emanzipatorische Ideen super verständlich zu erklären, sie ist einfach `ne prima Aufwieglerin, finde ich, von der Sorte könnte es ruhig noch mehr geben.

Jutta Ditfurth liest nicht

Wenn Jutta liest, dann liest sie gar nicht – sie erzählt viel lieber und zeigt Fotos. Von ihrer komischen adeligen Familie, von deren Schlössern in Thüringen. Sie erzählt von ihrem Verwandten, dem Dichter Börries von Münchhausen, der als junger Mann einst mit Juden befreundet war und später deren Ausschluss aus Kultur und Öffentlichkeit forderte und sich an Goebbels heranwanzte.

Antisemitismus sei im deutschen Adel gang und gäbe gewesen, sagt Jutta. Und auch der olle Stauffenberg habe nicht versucht, Hitler zu töten, um das Morden zu beenden. „Diesen Kreisen ging es immer nur darum, Privilegien zu behalten, Macht, Geld, Land – das hat die interessiert, nicht etwa, dass in ganz Europa Menschen ermordet wurden.“ Neben mir sitzt ein sehr altes und gebrechlich wirkendes Ehepaar, das sich raunend empört: „Wie kann man denn so was sagen, ist ja unmöglich, also wirklich…“ Gequält dreinblickend schütteln die beiden die Köpfe.

Weiter geht`s, Jutta erzählt, wie ihr Buch entstanden ist, dass sie Zugang zu den privaten Archiven ihrer Familie hatte, obwohl sie schon als Teenager nicht mehr mitgemacht hat beim Adelsgedöns, den Verkupplungs-Bällen und Familienzusammenkünften. Man müsse doch mal „mehr Juden totschlagen“ schrieb irgend eine Großtante Juttas in den Zwanzigern. Auf Norderney, wo sie zur Kur weilte, gebe es schließlich eindeutig zu viele davon. „Das war keine Ausnahme, die haben so gut wie alle so gedacht und geschrieben“, sagt Jutta. Und das sei kein Wunder, denn schließlich habe der Adel sich Jahrhundertelang um die eigene „Blutreinheit“ gekümmert. Da seien Antisemitismus und Rassismus einfach nur eine logische Schlussfolgerung.

Alle werden pampig

Es fällt mir schwer, Jutta zuzuhören, denn mein Bekannter X. nervt. Raschelnd kramt er durch Stapel von knisternden Papieren, klickt auf seinem Laptop rum, quatscht mir von der Seite ins Ohr – sogar sein Stift quietscht. „Können Sie nicht mal leiser sein?“ fragt der Mann neben ihm (der irgendwie aussieht wie ein Alt-68er, vielleicht sogar ein Prominenter, kommt mir jedenfalls bekannt vor der Typ, aber ich komm` nicht drauf). Er fängt sich von X. ein deftiges „Halt die Fresse!“ ein. Auch Jutta bittet um mehr Ruhe, als sich drei Männer in der letzten Reihe in ein immer lauter werdendes Streitgespräch verwickeln. Sie solle endlich die Diskussion öffnen, basisdemokratisch sein, motzt der eine zurück. „Lesungen sind nie basisdemokratisch, ihr habt ja das Buch nicht geschrieben“, pampt Jutta zurück.

„Scheiße stinkt halt!“

X. findet das alles hierarchisch, ich bin genervt, sage aber nichts, ich will ja zuhören, was die Frau Ditfurth da oben auf dem Podium sagt. Als sie dann endlich die Diskussion eröffnet und das Publikum Fragen stellen darf, meldet sich der uralte Mann neben mir. „Sie haben hier den ganzen Abend lang den Adel diskreditiert“, sagt er mit brüchiger Stimme. X. hält es kaum an seinem Platz. „Scheiße kann man nicht diskreditieren. Scheiße stinkt halt!“ ruft er dem alten Knacker zu, der mit Abstand beste Satz, den er an diesem Abend sagen wird. Als die Frau des Greises zurück schimpfen will, zische ich: „Psst, können Sie bitte leise sein?“ Die alte Dame verstummt entsetzt. Manieren sind ja schließlich wichtig, man benimmt sich doch nicht daneben, schon gar nicht in der Öffentlichkeit, wie peinlich. Bestimmt hat die Frau, die vielleicht ja sogar eine Adelige ist, eine „gute Kinderstube“ gehabt, denke ich, oder eben das, was manche dafür halten. Die um mich herum Sitzenden lachen, und ich freu mich, dass ich ausnahmsweise mal frech war ohne frech zu werden.

Als die Lesung und die offizielle Diskussion vorbei sind, geht`s noch weiter. X. streitet sich mit allen um ihn herum über Hierarchie und darüber, wer wann was sagen darf. Ich versuche zu sagen, dass ich laut reden und anderen ins Wort fallen irgendwie auch hierarchisch finde, werde aber übertönt mit dem Hinweis, dann solle ich gefälligst erst mal nachschlagen, was Hierarchie bedeutet. Ok, mach ich. Oder auch nicht.

Draußen vor der Tür stehe ich mit meinen Freund_innen und X. noch ein wenig in der Kälte rum, wir ziehen ein Resümee. Gut war`s, interessant war`s, die Jutta kann toll erzählen. Aber ob das wirklich stimmt, dass noch kein Buch über den Adel und die Juden erschienen ist, wie sie behauptet hat? „Ihr könnt Jutta schon glauben, was sie sagt“, behauptet ein Mann, „ich bin mit ihr befreundet.“ Aha…

Mein Freund C. will sich das Buch von Ditfurth kaufen, ich will es leihen, wenn er es durch hat. Zum Glück bin ich ja keine „von Kamuffel“, sondern nur eine bäuerlich-proletarische „Kamuffel“ (auch wenn mir neulich mal jemand „bürgerlichen Habitus“ vorgeworfen hat, anderes Thema). Aber ich will rausfinden, wie es eigentlich geht, seinen Adelsnamen loszuwerden (hat Jutta auch gemacht) und ein paar Leute mal darauf ansprechen. Wenn ich eine „von“ wäre, dann wäre mir das ganz schön peinlich, und das nicht erst seit diesem Abend….

* Ich kenne Jutta Ditfurth nicht persönlich, aber sie bezeichnet sich selbst als „notorische Duzerin“, darum duze ich zurück und schreibe „Jutta“.

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Herzliche Einladung!

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